INITIATIVE für SOLIDARITÄT am THEATER

Wir* sind viele: wir* sind Theatermacher*innen, auf und hinter der Stadttheaterbühne, an freien Häusern, in Produktion, Dramaturgie, Performance und Regie. Wir* sind weiße und PoC, haben verschiedene sozioökonomische Hintergründe sowie verschiedene sexuelle Orientierungen und Identitäten. Wir* verstehen uns als intersektionale Feminist*innen. Gemeinsam bilden wir* die INITIATIVE für SOLIDARITÄT am THEATER (ISaT).

Die ISat ist ein Netzwerk, in dem wir*1 unsere Kämpfe, die wir* in unserem Arbeitsalltag tagtäglich führen müssen, vereinen. Für einen angstfreien Theater-Raum. Mit Solidarität und mit Verständnis für die unterschiedlichen Situationen, in denen wir* uns befinden, und Positionen, aus denen wir* sprechen.

1 Am 1.12.2017 standen 71 Erstunterzeichner*innen auf der Liste.

MANIFEST

Die große Mehrheit der Intendanz- und Regiepositionen der Stadt- und Staatstheater im deutschsprachigen Raum werden nach wie vor von weißen, cis-gendered und able-bodied Männern besetzt. Frauen*, queere Menschen, Menschen mit Behinderung, People of Colour sind, v.a. in künstlerischen Leitungspositionen, unterrepräsentiert. Ihre Arbeit wird in die Freie Szene verlagert, die von ökonomischen Unsicherheiten und Selbstausbeutung geprägt ist.

Das größte Paradox der deutschen Kulturszene ist es, dass sie sich zwar auf der künstlerischen Seite kritisch mit ausbeuterischen Prozessen der Gegenwart auseinandersetzt, sie jedoch selbst in ihren Strukturen reproduziert. Die Problematik des hierarchischen und patriarchalen Theaterbetriebs bleibt: die Verantwortlichen (in der Regel männlich, weiß und heterosexuell) entscheiden, wem welche Räume geöffnet werden. Strukturelle Unterdrückung im Theater: eine „neverending story“?

Unsere Initiative versammelt all diejenigen, die daran etwas ändern wollen.

Das Netzwerk besteht aus Theatermacher*innen, die sowohl auf und hinter der Stadttheaterbühne als auch an freien Häusern in Produktion, Dramaturgie, Performance und Regie arbeiten. Wir* sind weiße und PoC, haben verschiedene sozioökonomische Hintergründe sowie verschiedene sexuelle Orientierungen und Identitäten. Wir* verstehen uns als intersektionale Feminist*innen, die nicht nur das Machtverhältnis zwischen „Männern“ und „Frauen“ betrachten, sondern alle durch das patriarchale System marginalisierte Gruppen.

Gemeinsam bilden wir* die INITIATIVE für SOLIDARITÄT am THEATER (ISaT).

Wir* schließen uns zusammen, um gemeinsam für mehr Solidarität einzutreten. Raus aus der Vereinzelung, rein in ein intersektionales Bündnis – mit dem Bewusstsein, dass das Wir* aus Vielen besteht, die ähnlichen Widerständen im Beruf ausgesetzt sind. Dabei wollen wir* uns darauf konzentrieren, die verschiedenen Kämpfe zu vereinen und besonders denjenigen eine Stimme zu geben, die bisher keine Lobby in bestehenden Netzwerken gefunden haben.

Das Netzwerk soll offen sein für alle, die unsere Beschreibung des Theatersystems nachvollziehen können und die sich mit der Arbeit des Netzwerkes solidarisieren möchten (unabhängig davon, ob sie sich selbst marginalisiert fühlen).

Wir* wollen in einen sinnvollen, produktiven Dialog treten mit Entscheidungsträger*innen und Institutionen, und gemeinsam daran arbeiten, Räume zu schaffen, in denen Rassismus, Frauen*feindlichkeit, Sexismus und Diskriminierung „nicht konformer“ Körper und Identitäten thematisiert und bekämpft werden können. Dabei geht es uns darum, die unterschwelligen und unbewussten Formen von Diskriminierung anzusprechen, die trotz kritischem Bewusstsein und kultureller Bildung in den alltäglichen Handlungen von Theaterschaffenden vorzufinden sind. Zentrales Anliegen ist es ebenso, die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse, die im Namen der Kunst in Kauf genommen werden, zu benennen und zu bekämpfen.

VORHABEN

Wir* wollen ein Netzwerk schaffen, um eine höhere Präsenz von Unter-/Falschrepräsentierten in den Darstellenden Künsten zu gewährleisten. Dabei wollen wir* insbesondere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen hinsichtlich Machtstrukturen im Theaterbetrieb zusammenbringen. Ausgangspunkt für die Gründung der ISaT war die Erkenntnis, dass als unangenehm empfundene Arbeitssituationen keine Einzelfälle, sondern strukturell bedingt sind. Die durch den Austausch über Erfahrungen mit Unterdrückung und Ausgrenzung erhaltene Rückmeldung, nicht alleine da zu stehen, kann das Selbstbewusstsein (wieder) stärken und Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Daher wollen wir* als Erstes Theatermacher*innen zusammenbringen und Räume schaffen, um miteinander zu sprechen. Wir* wollen der Vereinzelung entgegenwirken und strukturelle (Unterdrückungs-)Mechanismen als solche – und nicht als Problem individueller Arbeiter*innen – erkennbar und erfahrbar machen.

Dies wollen wir* mithilfe von verschiedenen Veranstaltungen erreichen. Dabei ist für uns der Aspekt der Dezentralität wichtig. So sollen Netzwerktreffen an verschiedenen Orten im gesamten deutschsprachigen Theaterraum stattfinden (Stichwort: Die Solidarität kommt zu dir!). Beim Aufbau des überregionalen Netzwerkes möchten wir* eine Bestandsaufnahme machen und möglichst viele unterschiedliche Erfahrungsberichte zu struktureller Gewalt im Theater sammeln, um daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Parallel dazu bauen wir* eine Website auf, über die auch ortsunabhängige Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten entstehen sollen. Weiterhin möchten wir* mit Mentor*innen und Mediator*innen zusammenarbeiten, zu denen durch Treffen und Webseite Kontakt hergestellt werden kann.

In weiteren Schritten möchten wir* Workshops – in Person und als Webinare – zu Empowerment und alternativen Arbeitsstrukturen entwickeln und anbieten, als eigene Veranstaltungen, aber auch im Rahmen von Festivals und zu anderen Gelegenheiten.

Des Weiteren möchten wir* Kontakt zu Institutionen und Theater-Leitungen sowie politischen Entscheidungsträger*innen aufnehmen und gemeinsam mit diesen an konkreten Umsetzungsmöglichkeiten arbeiten. Darüberhinaus möchten wir* (Theater-)Institutionen strategische Beratung anbieten.









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"There is no such thing as a single-issue struggle because we do not live single-issue lives."
Audre Lorde